Ayan Hirsi Ali – Leben und Werk

Über Ayaan Hirsi Ali

Ayaan Hirsi Ali ist Politikerin, Politikwissenschaftlerin, Frauenrechtlerin und Islamkritikerin somalischer Herkunft.  Streng islamisch erzogen und aufgewachsen, entfernte sie sich nach und nach vom Islam und wurde schließlich zur Atheistin – nicht zuletzt auch als Konsequenz der leidvollen Erfahrungen, die sie im Namen des Islam machen musste, darunter Genitalverstümmelung, Unterdrückung, Gewalt und Zwangsehe. Hirsi Ali war als Drehbuchautorin am islamkritischen Kurzfilm „Submission“, Unterwerfung, beteiligt, dessen Regisseur Theo van Gogh im November 2004 ermordet wurde. Auch Ayaan Hirsi Ali musste in der Konsequenz um ihr Leben bangen. Seit 2002 kommt sie mit ihrer direkten Kritik an der islamischen Orthodoxie häufiger in den Medien zu Wort.

Zitate von Ayaan Hirsi Ali

„Mädchen sterben beim Gebären, weil sie zu jung dafür sind […] Der Aufstieg des radikalen Islam ist ein wichtiger Grund dafür. Ich fühle mich moralisch verpflichtet, über die Ursache zu sprechen. Ich denke, dass man die Debatte bereichert, wenn man etwas hinterfragt, man ist dann nicht der Feind des Islam. Wir können uns andersweitig umsehen und den Verstand benutzen, um Lösungen für diese Probleme zu finden, wir müssen die Religion nicht abschaffen. Aber wir müssen es tun, indem wir ein Gleichgewicht finden.“

„Es ist für eine Frau zwischen 14 und 44 Jahren auf dieser Welt wahrscheinlicher, dass sie durch ihre eigene Familie ermordet wird, als dass sie an Malaria, an Krebs, im Krieg oder bei einem Autounfall umkommt.“

„Ich habe den Koran studiert, aber eines Tages habe ich begonnen, selbst nachzudenken. Dabei habe ich erkannt: Es sind die Menschen, die Gott erschaffen haben, nicht umgekehrt. Dass der Koran dem Mann das Recht zugesteht, die Frau zu schlagen, das kann und darf nicht sein.“

„Jedes Jahr wird an den Frauen ein Massenmord begangen – zwischen anderthalb und drei Millionen Frauen sterben jedes Jahr an den Folgen von Diskriminierung, Vernachlässigung oder Gewalt.“

Ayaan Hirsi Ali gehört zu den mutigen und starken Frauen, die laut ausspricht, was sie denkt – auch wenn es sie in Lebensgefahr bringt. Eine andere starke Frau ist in dieser Hinsicht die marokkanische muslimische Soziologin und Autorin feministischer Frauenliteratur, Fatima Mernissi.

Biographie von Ayaan Hirsi Ali

Ayaan Hirsi Ali wurde 1969 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren. Im Alter von fünf Jahren wurde sie zusammen gegen den Willen ihrer Eltern auf Veranlassung ihrer Großmutter heimlich der Klitorisbeschneidung unterzogen. Dennoch verurteilte sie ihre Großmutter nicht dafür, sondern versuchte, sie zu verstehen.
Während nach der Wahrnehmung des Mädchens ihr älterer Bruder bevorzugt behandelt wurde und größere Freiheiten als sie genoss, wurde sie selbst zur Unterordnung unter die Familie und besonders unter die Männer erzogen. Im Oktober 1975 ging die Familie ins erzkonservative Saudi-Arabien, wo sich Ali den besonders strengen islamischen Regeln unterwerfen musste. 1980 wurdete die Familie aus politischen Gründen ausgewiesen und wanderte nach schließlich nach Nairobi, Kenia aus.

Hinwendung zum Islam

In Kenia erhielt Ali eine Ausbildung in einer muslimischen Mädchenschule sowie Koranunterricht. Diesen empfand sie jedoch als langweilig, weshalb sie ihn eines Tages verweigerte. Bei der anschließenden körperlichen Züchtigung schlug der Koranlehrer sie so sehr, dass er ihr den Schädel brach.
Ayaan Hirsi Ali besuchte später eine Muslim Girls‘ Secondary School, in der sie mit der zeit eine besonders strenge Auslegung des Islam für sich entdeckte. Sie trug nun freiwillig einen Ganzkörperschleier und war jahrelang Mitläuferin der Muslimbruderschaft, einer islamisch-fundamentalistischen Bewegung im Nahen Osten, die unter anderem Anhänger in Ägypten und Syrien hatte. Nach Abschluss ihrer Schulbildung absolvierte Ali eine Ausbildung als Sekretärin. Ihre Mutter verbot ihr jedoch, anschließend berufstätig zu werden, da Frauenarbeit außer Haus ihren Vorstellungen widersprach. 1992 nahm der Vater ohne Rücksprache mit ihr einen Heiratsantrag für Ayaan Hirsi Ali an. Im Alter von 22 Jahren sollte sie einen Cousin aus Kanada heiraten, den sie noch nie gesehen hatte.

Asyl und politische Karriere in den Niederlanden

Die von ihrem Vater organisierte Reise nach Kanada führte über Deutschland. Dort verließ die alleinreisende junge Frau die ihr vorgegebene Route und reiste sie mit dem Zug in die Niederlande. Dort beantragte sie Asyl aus humanitären Gründen, was sie auch erhielt, später aber für politischen Sprengstoff sorgen sollte. Im Laufe ihres Aufenthalts in den Niederlanden entfernte sich Ayaan Hirsi Ali immer mehr vom Islam und wurde schließlich Atheistin. In den Niederlanden wurde Ali zunehmend politisch aktiv, u.a. in der rechtsliberalen VVD, und 2003 schließlich als Abgeordnete in das niederländische Parlament gewählt. Während ihrer Tätigkeit als Abgeordnete kritisierte sie die Integrationspolitik und forderte staatliche Kontrolle im Bereich des Unterrichts – besonders bei islamischen Schulen. Seit September 2002 erhielt unter anderem deswegen Hirsi Ali Morddrohungen aus islamistischen Kreisen.

Der Kurzfilm Submission

Im Jahr 2004 schrieb Ali zusammen mit Theo van Gogh den Kurzfilm „Submission (Part I)“ (dt. Unterwerfung) und sprach die Stimme aus dem Off. Im Film berichten vier Frauen berichten von erlittenen Misshandlungen, die ihnen im Namen des Islam zugefügt wurden. Zu sehen sind die verschleierten Gesichter der Erzählerinnen und ihre durchsichtig bekleideten Körper, beschrieben mit fünf Suren aus dem Koran, die die Frau zur Unterwerfung unter ihren Ehemann auffordern, und gezeichnet von Schlägen und Striemen durch Peitschenhiebe.
Am 2. November 2004  wurde Theo van Gogh in Amsterdam ermordet und an seine Leiche ein Drohbrief an Hirsi geheftet. Sie wurde unter permanenten Polizeischutz gestellt.

Staatskrise und Zwangsrückkehr aus den USA

2006 wurde Ali vorgeworfen, bei der Einreise in die Niederlande falsche Aussagen zu ihrer Identität gemacht zu haben, worauf ihr der niederländische Pass aberkannt werden sollte – auf Betreiben der Ministerin Vera Verdonk. Diese Angelegenheit weitete sich zu einer Staatsaffäre aus, vor allem, da die Opposition der Ministerin noch weitere 58 Fälle vorwarf, bei denen ehemaligen Asylbewerbern unter zweifelhaften Umständen die niederländische Staatsbürgerschaft wieder aberkannt worden war. 2007 arbeitete Ali am American Enterprise Institutes in den USA. Doch aufgrund einer Debatte um die Kosten des ihr zustehenden Personenschutzes wurde sie dazu gezwungen, in die Niederlande zurückzukehren, was eine große Solidaritätswelle von anderen Schriftstellern auslöste.

Heute lebt Ali in den USA. Sie ist us-amerikanische Staatsbürgerin und verheiratet mit dem britischen Historiker Niall Ferguson, mit dem sie einen Sohn hat.

Zwei Frauen, zwei Ansichten

Das Leben von Ayan Hirsi Ali ist die wechselvolle Geschichte einer muslimischen Frau, die zahlreiche Elemente enthält, die man in Deutschland oft mit dem Islam verbindet: Beschneidung, Bevorzugung der Männer, Einsperren der Frau zu Hause, Schläge, Zwangsehe. So sagte sie beispielsweise auch über den Propheten Mohammed: „Gemessen an unseren westlichen Maßstäben ist er ein perverser Mann. Ein Tyrann.“ Dabei bezog sie sich unter anderem darauf, dass Mohammeds Frau Aischa der Überlieferung nach bei der Eheschließung erst sechs Jahre alt gewesen war.

Die marokkanische Soziologie-Professorin Fatima Mernissi kommt währenddessen zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Ihre These: Mohammed wollte die Gleichberechtigung der Frau, wurde an seinem Umfeld jedoch daran gehindert.

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