Das Tabu hinter dem Kinderwunsch

Frauen ohne Kinderwunsch bekommen oft einen bestimmten Satz zu hören:
„Keine Sorge – wenn du erst einmal ein Kind hast, wirst du es lieben.“

Diese Aussage wirkt beruhigend und selbstverständlich. Sie spiegelt eine tief verankerte gesellschaftliche Vorstellung wider: Mutterschaft sei für Frauen der natürliche Weg zum Glück. Doch wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Annahme nicht immer stimmt. Für manche Frauen erfüllt sich dieses Versprechen nicht. Sie lieben ihre Kinder – bereuen aber, Mutter geworden zu sein.

Dieses Phänomen hat sogar einen eigenen wissenschaftlichen Begriff: „Regretting Motherhood“ – das Bereuen der Mutterschaft.


Die Studie „Regretting Motherhood“

Bekannt wurde das Thema durch die israelische Soziologin Orna Donath, die 2015 eine viel diskutierte Studie veröffentlichte. Sie führte ausführliche Interviews mit 23 Müttern, die auf eine zentrale Frage eindeutig mit Nein antworteten:
Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten – würden sie noch einmal Mutter werden?

Alle Teilnehmerinnen liebten ihre Kinder. Dennoch bereuten sie ihre Entscheidung für die Mutterschaft.

Die Frauen beschrieben vor allem drei Erfahrungen:

  • Mutterschaft ist allumfassend und dauerhaft.
  • Sie fühlten sich in einer Rolle gefangen, aus der es kein Zurück gibt.
  • Ihre Gefühle konnten sie kaum offen aussprechen, weil die Gesellschaft erwartet, dass Mütter glücklich sind.

Viele der interviewten Frauen berichteten daher von starken Schuld- und Schamgefühlen. Allein zu sagen, dass man Mutterschaft bereut, gilt bis heute als Tabu.


Warum Frauen Mutterschaft bereuen

Die Gründe, die Mütter in der Forschung nennen, ähneln sich häufig. Es handelt sich selten um einen einzigen Faktor, sondern meist um eine Kombination mehrerer Belastungen.

Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung

Ein Kind verändert das Leben grundlegend. Spontaneität, Freizeit und persönliche Freiheit verschwinden oft für viele Jahre. Viele Frauen berichten, dass sie ihr früheres Leben vermissen.

Dauerhafte Verantwortung

Mutterschaft endet nicht nach der Geburt. Sie bedeutet Verantwortung für Jahrzehnte. Diese permanente Verpflichtung empfinden manche Frauen als erdrückend.

Überforderung und fehlende Unterstützung

Ein wichtiger Faktor ist mangelnde Hilfe – etwa durch Partner, Familie oder gesellschaftliche Strukturen. Wenn Betreuung, Haushalt und Beruf gleichzeitig bewältigt werden müssen, geraten viele Mütter an ihre Grenzen.

Finanzielle und berufliche Nachteile

Viele Frauen erleben durch Kinder Karriereeinbußen oder finanzielle Belastungen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt in vielen Ländern schwierig.

Gesellschaftliche Erwartungen

Mutterschaft wird oft idealisiert. Gleichzeitig werden Mütter stark bewertet und kritisiert: Sie sollen liebevoll, geduldig, erfolgreich im Beruf und perfekt organisiert sein. Dieser Druck kann enorme Belastung erzeugen.

Weitere Studien zum Bereuen der Elternschaft

Nach der Veröffentlichung der Studie „Regretting Motherhood“ wurde das Thema zunehmend wissenschaftlich untersucht. Viele neuere Studien verwenden dabei den Begriff „parenthood regret“, also das Bereuen der Elternschaft allgemein – unabhängig davon, ob es sich um Mütter oder Väter handelt.

Mehrere internationale Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: In entwickelten Ländern geben etwa 5 % bis 14 % der Eltern an, dass sie ihre Entscheidung für Kinder bereuen und sich rückblickend eher für ein kinderloses Leben entscheiden würden.

Auch größere nationale Untersuchungen bestätigen diese Größenordnung. Eine Studie mit großen Stichproben aus Europa fand beispielsweise, dass etwa 10,7 % bis 13,6 % der Eltern ihre Entscheidung für ein Kind bereuen.

Andere repräsentative Umfragen kommen auf ähnliche Werte: Rund 8 % der Eltern sagen offen, dass sie es bereuen, Kinder bekommen zu haben.

Diese Zahlen zeigen: Das Phänomen existiert zwar nicht bei der Mehrheit der Eltern – aber es ist auch kein Einzelfall. Ein relevanter Anteil von Menschen erlebt im Laufe seines Lebens zumindest zeitweise das Gefühl, dass die Entscheidung für Kinder möglicherweise nicht die richtige war.

Wie viele Mütter Mutterschaft bereuen

Viele Studien unterscheiden nicht genau zwischen Müttern und Vätern. Doch wenn man speziell auf Frauen blickt, zeigen sich ähnliche oder teilweise sogar höhere Werte.

In Umfragen aus Europa und den USA berichten zwischen etwa 7 % und 14 % der Mütter, dass sie sich rückblickend gegen Kinder entscheiden würden, wenn sie noch einmal wählen könnten. Diese Zahlen entsprechen in etwa den allgemeinen Studien zu Elternschaft.

Einige Befragungen ergeben sogar höhere Werte. In einer repräsentativen Umfrage gaben beispielsweise rund 19 % der deutschen Mütter an, dass sie sich rückblickend wahrscheinlich gegen Kinder entscheiden würden.

Viele Forscher vermuten zudem, dass die tatsächliche Zahl höher sein könnte. Mutterschaft gilt kulturell als etwas, das man nicht bereuen darf. Deshalb fällt es vielen Frauen schwer, solche Gefühle offen zuzugeben.

Postpartale Depression – eine zusätzliche Belastung

Neben grundsätzlicher Reue gibt es auch psychische Erkrankungen rund um die Geburt. Eine besonders bekannte ist die postpartale Depression.

Sie betrifft etwa 10 % bis 20 % aller Frauen nach der Geburt.

Typische Symptome sind:

  • anhaltende Erschöpfung
  • starke Niedergeschlagenheit
  • Schuldgefühle
  • emotionale Distanz zum Kind

Diese Erkrankung unterscheidet sich von „Regretting Motherhood“. Eine Depression ist meist zeitlich begrenzt und behandelbar. Dennoch kann sie dazu führen, dass die ersten Monate der Mutterschaft extrem belastend sind.

Die Forschung zeigt außerdem, dass psychische Probleme nach der Geburt auch die Beziehung zwischen Mutter und Kind beeinflussen können, wenn keine Unterstützung erfolgt.

Mehr lesen: Studien zu Mutter Burnout und Überforderung durch Kinder.

Fazit: Kinderwunsch ist eine persönliche Entscheidung

Die meisten Frauen lieben ihre Kinder. Für viele ist Mutterschaft erfüllend. Doch Studien zeigen auch eine andere Realität: Nicht jede Frau wird durch ein Kind automatisch glücklich.

Wenn kein Kinderwunsch vorhanden ist, sollte das ernst genommen werden.

Ein Kind verändert das ganze Leben. Es bedeutet Verantwortung, Schlafmangel, Stress, Sorgen und dauerhafte Verpflichtungen. Wer diese Rolle nicht wirklich möchte, kann sich in der Mutterschaft gefangen fühlen.

Und darunter leidet nicht nur die Mutter.

Auch Kinder spüren, wenn ihre Eltern unglücklich sind oder überfordert. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen frei entscheiden können, welchen Lebensweg sie gehen möchten.

Mutterschaft sollte keine gesellschaftliche Pflicht sein. Sie sollte eine bewusste Entscheidung sein – getragen von einem echten Wunsch. Denn nur dann kann sie für Mutter und Kind wirklich gut sein.

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Hinweis: Die Bilder sind KI-generiert und die Texte wurden mit KI überarbeitet.