Sieben Störche von M. Malik

Sieben Störche oder die Geschichte vom unnützen Mädchen

von M. Malik

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Es war einmal ein Dorf, das wurde von sieben Brüdern beherrscht, die Zauberkräfte besaßen. Sie waren geachtet, aber auch gefürchtet. Ihre beeindruckendste Fähigkeit bestand darin, dass sie  niemals zu altern schienen. Doch am gefährlichsten war, dass ihnen die Herzen aller zuflogen. Denn die sieben Brüder besaßen die Fähigkeit, jedes sterbliche Wesen mit ihrer Stimme zu verzaubern. Egal, welche Forderungen die Brüder stellten, die Dorfbewohner taten alles, was von ihnen verlang wurde, weil es sich einfach gut und richtig anfühlte. Das betraf beispielsweise die hohen Abgaben, die die Dorfbewohner monatlich ohne Murren an die Brüder zahlten. Schließlich hatten sie das schon immer gemacht und auch wenn sie Hunger leiden mussten, für die sieben Brüder war kein Opfer zu groß. Ihre Leidensfähigkeit zeigte sich auch bei den Geschehnissen, die sich alle fünf Jahre zur Sommersonnenwende ereigneten. Denn dann erwählte sich jeder der Brüder eine Braut, um sie auf die Stammburg zu bringen. Und bislang hatte keine je die Burg wieder verlassen.
Wieder waren fünf Jahre vergangen und die Sommersonnenwende rückte immer näher. Kichernd steckten die Mädchen auf dem Dorfplatz die Köpfe zusammen und schwatzen wild durcheinander.
„Wen werden sie wohl diesmal auswählen? Hoffentlich bin ich dabei! Sie sind ja soooo toll. Diese schwarzen Mäntel, diese prächtigen Rösser… Hach!“
„Ich möchte den Jüngsten. Er hat dieses gewisse etwas.“
„Der Drittälteste sieht auf jeden Fall von allen am besten auf. Ich hoffe so sehr, dass er mich zur Frau nehmen wird.“
„Wem der Älteste wohl die Feder geben wird? Ich glaube ja, diejenige, die er erwählt, hat die größten Chancen, alle zu erlösen. Er ist zwar der Unheimlichste von allen, aber zweifelsohne auch der Mächtigste. Er soll sogar schon eine Prinzessin betört haben.“
„So ein Unsinn“, wandte ein anderes Mädchen pragmatisch ein. Sie war groß und stämmig und man sah ihr an, dass sie tatkräftig war und gut anpacken konnte. „Bisher haben sich diese Storchensöhne noch nie weit von dieser Stadt weggegangen. Wo soll denn hier plötzlich eine Prinzessin herkommen?“
„Sieh mal, wer da drüben steht“, wurde sie plötzlich rüde von der größten Klatschbase des Dorfes unterbrochen. „Das unnütze Mädchen.“
Sofort schielten die Mädchen in die angegebene Richtung und kicherten hinter vorgehaltener Hand.
„Na, die wird bestimmt keinen abkriegen.“
„Die ganz sicher nicht. Sie hat aber auch überhaupt gar nichts. Sie ist spröde und schrecklich ungeschickt und hübsch ist sie auch nicht.“
„Aber ihr Vater ist reich!“
„Das schon. Aber würdest du dein ganzes Leben mit einer kalten Bohnenstange verbringen wollen?“
„Das ist natürlich auch wieder wahr.“
„Hört auf zu gackern, Kinder!“ rief ein anderes Mädchen plötzlich aufgeregt aus. „Sie kommen!“
Tatsächlich, da kamen die sieben Brüder aus dem Wald und galoppierten die Dorfstraße entlang. Sieben junge Männer auf prachtvollen Rapphengsten. Ihre Mäntel wehten im Wind, ihre langen schwarzen Haare flatterten hinter ihnen her wie eine Schleppe, die Pferde warfen stolz den Kopf hoch, die Mähnen wehten im Wind, die Hufe donnerten auf das Pflaster. Sie boten schon einen tollen Anblick.
„Ich will das Zeichen des Ältesten! Ich will die Feder!“ flüsterte eines der Mädchen.
Da kamen die Brüder herangeprescht,  ritten dicht an den Mädchen vorbei und waren auch schon wieder verschwunden.
„Wer hat die Feder? Wer hat die Feder?“ riefen alle durcheinander.
„Seht dort!“ Einem ausgestreckten Finger folgend, sahen alle auf die andere Seite der Straße. Und dort stand das unnütze Mädchen und hatte eine schwarze Feder in der Hand.

Das unnütze Mädchen war verwirrt. Wieso sie? Wieso ausgerechnet sie? Der Älteste der sieben Brüder hatte ihr die Feder zuflattern lassen und sie so zu seiner Braut gemacht. Völlig fassungslos starrte sie auf die Feder in ihrer Hand. Sie war wunderschön. Schwarz wie die Nacht, leicht, fast ohne Gewicht und so weich…
Warum sie? Sie war nicht hübsch und galt überall weit und breit als schrecklich ungeschickt – mit Grausen erinnerte sie sich an den Gehrock ihres Vaters, den sie hatte flicken sollen und an das Essen, dass sie regelmäßig verbrennen ließ. Sie hatte eigentlich gar nichts, was ein Mann anziehend finden konnte. Außer dem Geld ihres Vaters. Darauf hatten es zwar in der Vergangenheit immer wieder diverse Verehrer abgesehen gehabt, aber so was brauchten die sieben Söhne sicher nicht. Schließlich hatten sie selbst große Ländereien.
Das unnütze Mädchen war noch immer ganz geschockt. Sie blickte zur Burg hin, die drohend auf einem Hügel über dem Dorf thronte und in der die sieben Söhne verschwunden waren. Wie es wohl sein mochte in dem düsteren Gemäuer? Alle fünf Jahre führten die Störche ihre Bräute heim. Doch sobald die Mädchen die Schwelle überschritten, verwandelten sie sich in schwarze Störchinnen und wurden nie mehr gesehen. Eine Prophezeiung besagte, dass nur eine Jungfrau mit einem starken Herz den Bann brechen konnte. Was auch immer ein starkes Herz sein mochte, das unnütze Mädchen war sich nur einer Sache sicher – dass es sicher nicht das ihre war. Sie seufzte, presste die Feder an sich und lief nach Hause.
„Wo warst du denn solange?“ herrschte ihr Vater sie zornig an, als sie nach Hause kam. „Hast du wieder vor dich hin geträumt? Die Küche ist schmutzig, und du hast kein Abendessen gekocht!“
„Der Älteste der Storchensöhne will mich zur Frau nehmen, Vater“, piepste das unnütze Mädchen verschreckt.
„Wie kannst du es wagen, so dreist zu lügen?“ brüllte der Vater und hob drohend die Faust.
Das unnütze Mädchen zuckte zurück, zog aber die Feder aus ihrem Mantel und hielt sie zitternd ihrem Vater hin. Der ließ überrascht den Arm wieder sinken und blinzelte mehrmals.
„Was? Wirklich?“ murmelte er dann. „Ich hätte nie gedacht, dass er einen so schlechten Geschmack hat.“
Das Mädchen floh in ihr Zimmer und warf sich auf das Bett. In Gedanken sah sie das edle Antlitz des Ältesten vor sich. Nun, ein Leben als Störchin in der Burg des Ältesten konnte nicht so viel schlechter sein als ein Leben als unnützes Mädchen.

Am nächsten Morgen waren die Mädchen wieder auf dem Dorfplatz versammelt, so wie es Brauch war. Denn nun würden auch die jüngeren Brüder ihre Bräute erwählen. Dies geschah dadurch, dass die Brüder ihre Bräute aufs Pferd hoben und mit ihnen durch das Dorf  ritten.
Das unnütze Mädchen stand etwas abseits und presste die Feder fest an ihre Brust. Die anderen Mädchen schielten immer wieder zu ihr herüber. Alle dachten das gleiche: wieso sie?
Hufgeklapper ertönte. Ja, tatsächlich, da kamen die Brüder wieder die Straße entlang geprescht, vorneweg der Älteste. Seine schwarzen Augen glühten. Da war er auch schon herangekommen, im Vorbeireiten griffen zwei starke Arme nach ihr und ehe sie sich’s versah, saß sie auch schon auf dem Pferderücken. Er hielt sie fest an seine Brust gepresst. Das unnütze Mädchen schmolz in seinen Armen dahin. Der Älteste würde sie heiraten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Sie hätte ewig so weiterreiten mögen. Aber die meisten Dinge finden irgendwann einmal ein Ende und so auch dieses. Das Pferd blieb stehen und er stieg ab und hob sie behutsam aus dem Sattel.
Sie befanden sich mitten Wald. „Wenn er verschwindet, sitze ich hier ganz allein!“ durchfuhr sie ein schrecklicher Gedanke. Aber sofort beruhigte sie sich wieder etwas. „Das wird er schon nicht tun. Schließlich will er mich heiraten! MICH heiraten!“
Und sie strahlte ihn an. Ach, er sah einfach umwerfend aus. Und dieses Lächeln… Sie war hin und weg.
Er musterte sie spöttisch und strich sich eitel durch das Haar.
„Sicher denkst du, dass dein Herz stark genug ist, um den Bann zu brechen. Aber das ist es nicht“, sagte er plötzlich. Seine arroganten Worte waren wie ein Schlag ins Gesicht. Sie starrte ihn völlig geschockt an. „Ich habe dich auserwählt, weil du ein unnützes Mädchen bist“, fuhr er fort. „Zweifelsohne wirst du eine ganz passable Störchin abgeben!“ Und er begann schallend zu lachen.
Da begann etwas in ihr zu brodeln und zu kochen, ihre Augen sprühten Funken. Sie warf ihm einen eiskalten Blick zu und fasste einen Entschluss:
„Für dich lass ich mich ganz bestimmt nicht in einen Storch verwandeln. Für dich nicht, mein Freund. Ganz bestimmt nicht.“
Er hörte ihre Worte und lachte noch mehr. Dann packte er sie, hob sie wieder auf sein Pferd, schwang sich hinter ihr in den Sattel und sie ritten zurück in die Stadt.
Am Marktplatz ließ er sie vom Pferd gleiten und rief ihr noch zu, als er davongaloppierte:
„Leb wohl, unnützes Mädchen! In drei Tagen mache ich dich zu meiner Braut und du wirst der hässlichste Storch in meiner Burg!“
„Das werden wir sehen, mein Freund!“ murmelte sie. „Das werden wir sehen!“

Die drei Tage vergingen schnell. Am Morgen der Sommersonnenwende zog das unnütze Mädchen ihr schönstes Kleid an. Ihre Tante wand ihr Blumen ins Haar.
„Du siehst sogar ganz annehmbar aus!“ urteilte sie schließlich.
In diesem Moment kam der Vater herein. „Tatsächlich, ich hätte nie gedacht, dass du so aussehen könntest“, brummte er, zog seine schweren Arbeitsstiefel an und machte Anstalten, nach draußen zu gehen.
„Vater!“ rief sie da aus.
„Was?“ knurrte er.
„Willst du denn nicht dabei sein?“ fragte sie leise.
„Wozu?“ fragte er und zuckte die Achseln. „Die Tiere brauchen ihr Futter.“
„Aber…“ Auch wenn er seit dem Tod ihrer Mutter immer unfreundlich zu ihr war, sehnte sie sich plötzlich danach, wenigstens von einer vertrauten Gestalt zum Dorfplatz begleitet zu werden. „Stell dir mal vor, ich könnte sie tatsächlich alle erlösen… Das ganze Gold, dass der Bürgermeister versprochen hat…“ Das war das stärkste Argument, das ihr einfiel. Gold zog bei ihrem Vater eigentlich immer.
„Red nicht so dumm daher. In einer Stunde wirst du eine hübsche schwarze Störchin sein.“
„Aber stell dir mal vor, wenn es so wäre… „, murmelte sie verzweifelt.
„Ich würde keinen Taler davon wollen. Und jetzt verschwinde endlich. Dein Gemahl wartet.“
Also zog sie ihre Sonntagsschuhe an und trat allein hinaus auf die Straße. Viel Volk war unterwegs, die Straßen waren geschmückt und alle Leute waren festlich gekleidet. Sie versammelten sich auf dem Marktplatz und warteten gebannt.

Das Burgtor schwang auf. Sieben Reiter kamen herausgeritten, der Älteste an der Spitze. Sie boten einen prächtigen Anblick auf ihren herrlichen Rappen. In ihren schwarzen Gewändern und ihrem langen schwarzen Haar, das sie mit weißen Blüten geschmückt hatten, ritten sie langsam die Straße herunter auf den Marktplatz. Ruhig und feierlich waren ihre Gesichter, als sie abstiegen und ein jeder zu seiner Braut trat. Der Pfarrer segnete die Paare und auch der Bürgermeister sagte ein paar feierliche Worte. Das unnütze Mädchen konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ihr schlug das Herz bis zum Hals. „Ich lass mich von dir nicht in einen Storch verwandeln!“ bekräftigte sie jedoch noch einmal innerlich ihren Entschluss. Da war die Zeremonie auch schon vorbei. Jeder der Büder half seiner Braut aufs Pferd. Dann schwangen sie sich selbst hinter die Mädchen in den Sattel und ritten mit ihnen langsam zur Burg zurück. Viel zu schnell kamen sie in der weitläufigen Burganlage an.

portal der lorenzkirche in grünem licht
Fast das ganze Dorf war ihnen gefolgt. Die Brüder hoben ihre Bräute von den Pferden und stiegen selber ab. Da waren die Treppen. Alle blickten auf den Ältesten, doch der winkte dem Jüngsten.
Dieser ergriff seine prächtig geschmückte Braut an der Hand und führte sie die Treppe hinauf. Tief blickte das Mädchen ihrem Gemahl in die Augen und dachte: „Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt. Ganz bestimmt ist mein Herz stark genug und ich bin die Erlöserin aller.“ Sie stieg auch noch die letzte Stufe hoch. Doch – oh weh! Ein grünes Licht flammte auf und hüllte sie für einen Moment ein. Und als das Licht wieder verschwunden war, stand oben auf der Treppe ein Storch.
Die ganze Anwesende Menge seufzte laut und tragisch auf. Der jüngste Sohn aber lachte, packte seine Braut an ihrem schwarzen, gefiederten Hals und zerrte sie ins Schloss.
Der zweitjüngste Storchensohn führte seine Gemahlin die Treppe hinauf. Auch sie sah ihm tief in die Augen und setzte sie ihren Fuß vertrauensvoll auf die oberste Stufe. Aber oh – weh – ihr erging es nicht anders als ihrer Vorgängerin.
Auch die dritte und die vierte Braut verwandelten sich in Sörchinnen. Bei der fünften Braut ereignete sich ein kleiner Zwischenfall. Denn als ihr Bräutigam sie die Treppe hinaufführte, strauchelte sie plötzlich und sicher wäre sie gefallen, wenn sich nicht blitzschnell sein schwarzgewandeter Arm um sie geschlungen hätte. Sie blickte ihm in die dunklen Augen, die schwärzer waren als die Nacht und hatte das Gefühl zu fallen und nie wieder festen Boden unter den Füßen spüren zu können. Sanft hob er sie auf und trug sie die Treppe hinauf. „Ich liebe dich! Sicher ist meine Liebe stark genug, um alle zu erlösen“, hauchte sie. Da waren sie auch schon oben angekommen. Plötzlich waren beide einen Moment in grünes Licht getaucht – und schon war wieder der drittälteste Bruder zu sehen, der eine schwarze Störchin in seinen Armen hielt. Mit einem Hohnlachen verschwand er mit ihr im Schloss, wieder unter dem Aufstöhnen der Menge.
Als der Zweitälteste seine Gemahlin unter ihren Liebesschwüren die Treppe hinaufgeführt hatte und sie ebenfalls unter viel Geseufze und Gestöhne in einen Storch verwandelt war, begann die Menge sich zu zerstreuen.
„Wieder ist nichts passiert!“ klagte der Bürgermeister und all die weisen Ratsherren schüttelten betrübt ihre Köpfe. Kinder, Männer und Frauen gingen alle zurück zum Marktplatz, um sich noch ein wenig über die den Fluch zu unterhalten und Mutmaßungen anzustellen, wann dieser wohl vorbei sein würde und wie beschaffen die Erlöserin sein müsste.
Am Fuße der Treppe aber stand noch immer der Älteste mit seiner Gemahlin.
„Bist du bereit?“ fragte er.
Sie nickte nur. Er ergriff ihre Hand und führte er sie zur Treppe. Eine Stufe. Die zweite Stufe. Die dritte Stufe. Die vierte Stufe. Die fünfte Stufe. Die sechste Stufe.
Sie sah ihm tief in die Augen. „Für dich verwandle ich mich ganz bestimmt nicht in einen Storch“, dachte sie. Und oben stand sie. Es passierte – nichts. Der Älteste starrte sie an. Sein Mund klappte auf. Sie warf ihm einen kalten Blick zu, entzog ihre Hand seinem Griff, zuckte mit den Achseln und betrat die riesige Eingangshalle. Darin befanden sich eine ungeheure Anzahl an schwarzen Störchinnen, die ihr alle den Schnabel zugewendet hatten.
Da erglühte die Störchin, die ihr am nächsten war, in jenem seltsamen grünen Licht – und vor ihr stand die Braut des Zweitältesten. Die nächste Störchin war in grünes Licht getaucht – und da erschien die Braut des Drittältesten. Nun flammte überall grünes Licht auf und die Halle war auf einmal gefüllt mit jungen Frauen, die sich alle ganz fassungslos anstarrten.
An der Tür aber stand noch immer der Älteste. Sein Gesicht, schon immer unnatürlich bleich, war plötzlich weiß wie eine Wand, er hielt sich krampfhaft am Türrahmen fest. Da wurde er in grünes Licht getaucht und stand nun auf einmal selbst als schwarzer Storch mit weit geöffnetem Schnabel vor dem unnützen Mädchen.
Die Schar der jungen Frauen drängte jetzt nach draußen und sie ließ sich von ihrem Strom mitreißen, das Gesicht immer noch auf den Storch gerichtet.

Das unnütze Mädchen fand sich schließlich auf dem Dorfplatz inmitten einer der Schar von jungen, schönen Frauen wieder. Das ganze Dorf hatte sich versammelt und alle sahen einander völlig fassungslos an.
Da war ein durchdringender Klagelaut zu hören. Aus einem Fenster der Burg kamen sieben gewaltige schwarze Störche geflogen. Sie umrundeten einmal die Burg, wobei sie die seltsamen Laute ausstießen und dann flogen sie davon, in Richtung Wald und keiner hat sie je wieder gesehen.

Da brach das ganze Dorf in Jubel aus. Alle feierten das unnütze Mädchen und ließen es hoch leben. Und schließlich kam der Bürgermeister und überreichte ihr einen großen Beutel voller blanker goldener Taler.
Auf einmal stand ihr Vater neben ihr.
„Gib mir schnell den Beutel, liebe Tocher!“ rief er. „Nur schnell her damit! Was soll denn ein Mädchen auch mit dem vielen Gold anfangen! Jetzt wirst du einen Fürsten heiraten können!“
Doch sie rief aus: „Dieses Gold gehört mir, denn ich habe das Dorf erlöst. Du hast gesagt, du nähmest nichts von dem Gold geschenkt. Dein Wille geschehe! Keinen roten Heller werde ich dir überlassen!“
Hufgetrappel ertönte und aus dem Schloss kamen die sieben prachtvollen Pferde der sieben Brüder, nun natürlich ohne Reiter. Das unnütze Mädchen aber schwang sich auf das Prächtigste von ihnen, das Tier, das dem Ältesten gehört hatte und ritt davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. Und auch sie hat man nie wieder gesehen.

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