Im beliebten und bekannten Film „Der 13. Krieger“ mit Antonio Banderas wird ein als Wikingergebet bekannter Text rezitiert:

„Dort sehe ich meinen Vater,
dort sehe ich meine Mutter,
meine Brüder und Schwestern,
dort sehe ich meine Ahnen von Beginn an.
Sie rufen nach mir,
sie bitten mich meinen Platz einzunehmen
unter ihnen in den Hallen von Walhalla,
wo die Tapferen ewig leben.“

Diese gebetsartige Lyrik ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Der Film Der 13. Krieger basiert auf dem Buch Eaters of the Dead (deutsch: „Die ihre Toten verspeisen“, später auch „Schwarze Nebel“) von Michael Crichton (antiquarisch mittlerweile auch als Der 13. Krieger bei amazon)

Woher stammt das Wikingergebet?

Der Text, der den Autor Michael Crichton inspiriert hat, entspring dem Reisebericht des Arabers Ibn Fadlan (877 bis 960 n. Chr. an der Wolga nördlich von Samara mitten in Russland. Crichton ging sogar soweit, dass er den Reisenden selbst zur Hauptfigur in seinem Roman machte. Der historische Ibn Fadlan konzentrierte sich in seinem Bericht allerdings insbesondere auf pikante Details und beschrieb sehr ausschweifend, was die Männer an der Wolga dort so alles mit ihren Sklavinnen trieben. Höhepunkt ist das Begräbnis eines Anführers, bei dem eine freiwillig auserwählte Sklavin die oben genannten Zeilen spricht. Daraufhin wird sie unter anderem von mehreren Männern vergewaltigt und anschließend getötet. Im Buch und auch im Film Der 13. Krieger werden diese grausamen Details jedoch nicht thematisiert.

Hier geht es zum vollständigen Text: Reisebericht des Ibn Fadlan

Das „Wikingergebet“ und Ibna Fadlans Reisebericht werden dazu in diesem Buch thematisiert: Runa Valgard – Den Wikingern ausgeliefert (Link verweist auf amazon).

Wie authentisch ist das Wikingergebet aus Der 13. Krieger?

Bei den Wikingern handelte es sich um verschiedene Völker, die zeitweise auf Raubzüge (sogenannte Vikings) gingen, um Beute zu machen (Vgl. Wer waren die Wikinger?) Dabei gibt es kaum schriftliche Zeugnisse, die bis heute überdauert haben. Vieles Wissen beruht aus Berichten von Chronisten und Reisenden der damaligen Zeit – wie dem Araber Ibn Fadlan. Immerhin ist bekannt, dass die Wikinger die Flüsse Europas und Asiens und auch die Wolga befuhren, und u.a. Sklaven mit sich führten. In Ermangelung anderer Quellen wird deswegen das Begräbnisgedicht sehr gerne herangezogen und beliebig abgeändert – im Originaltext wird zum Beispiel der Begriff Paradies verwendet und nicht Walhalla. Das wiederum widerspricht der überlieferten nordischen Mythologie, in der es allein im Kampf gefallen Kriegern vorbehalten ist, nach Walhalla zu gelangen – alle anderen kommen nach Helheim, in das Reich der Totengöttin.

Wer sich den Reisebericht des Ibn Fadlan durchliest, stellt fest, dass ihn besonders die lockeren Sitten und der Umgang mit den Sklavinnen fasziniert haben müssen. Von Ehefrauen und Töchtern ist indes nicht die Rede. Gut möglich, dass der gute Reisende so manches pikante Detail dazu erfunden oder maßlos übertrieben hat. Sehr gut möglich, dass auch das Wikingergebet nicht authentisch ist – weder für die Wikinger noch für das Volk der Rus an der Wolga in Zentralrussland.

Fazit

Das Wikingergebt stammt grundsätzlich aus der Wikingerzeit, wurde aber von einem arabischen Reisenden aufgeschrieben, der es in Zentralrussland aufgeschnappt hat – und das in einem brutalen, sexistischen, menschenverachtenden Kontext.Wer das Gedicht in welcher Form auch immer verwenden möchte, sollte sich auf jeden Fall den Reisebericht des Ibn Fadlan im Original durchlesen: Reisebericht des Ibn Fadlan