von Miriam Malik

Das Meer liegt ruhig und blau vor mir. Nichts lässt erahnen, welches Unwetter vor etwa einer Stunde hier getobt hat. Niemand ist zu sehen, ich bin ganz allein. Doch ich liebe es genau so. Ganz bewusst atme ich die herrlich frische Luft mit dem leichten Salzgeruch, lausche auf das Rauschen des Meeres, genieße die Ruhe zwischen den markanten, rund geschliffenen Felsen.
Da wird die friedliche Atmosphäre jäh unterbrochen.
„Bitte, tu mir nichts!“, fleht eine verzweifelte Frauenstimme auf Englisch. Erschrocken bleibe ich stehen.
„Du willst es doch auch“, entgegnet eine tiefe Männerstimme, ebenfalls auf Englisch. Das klingt aber nicht so, denke ich. Ich zögerte einen Moment. Frauen sollten eben nicht alleine an menschenleeren Stränden herumlaufen. Doch natürlich kann ich nicht tatenlos stehenbleiben und nichts tun. Und so folge ich der Stimme. Die eindrucksvollen Felsformationen um mich herum wirken sehr malerisch und schirmen hervorragend die Blicke Neugieriger ab. Ideal, um spärlich bekleidet sonnenzubaden. Ebenfalls ideal, um sich vor potenziellen Rettern zu verstecken.
Ich spähe um ein paar der großen Felsblöcke herum und dann habe ich die richtige Stelle gefunden. Ein etwa einsneunzig großer, kräftiger Kerl Mitte dreißig mit kurzem, blondem Haar und grobschlächtigen Gesichtszügen hat sich vor einer hübschen, zierlichen Blondine aufgebaut. Für diese Frau würde wohl jeder Mann Kopf und Kragen riskieren. Sie starrt schreckensbleich auf ihr Gegenüber an und presst sich mit dem Rücken gegen einen der Felsen.
Ich muss schlucken. Noch hat der Mann mich nicht bemerkt, denn er ist damit beschäftigt, die Frau mit Blicken zu verschlingen. Sie ist vielleicht Anfang zwanzig und trägt lediglich Bikini, Hüfttuch und FlipFlop.
Ich atme einmal tief durch und stürze dann auf die beiden zu. „Lass sie in Ruhe“, donnere ich. Versuche ich zu donnern. Heraus kommt eher ein Fiepen. Das immerhin trotzdem Wirkung zeigt. Der Mann und die junge Frau blicken überrascht in meine Richtung. Er macht einen Schritt zur Seite, um mich genauer in Augenschein nehmen zu können. Mein Herz rutscht mir in die Kniekehlen. Die Frau fasst sich von uns dreien als erste. Sie windet sich am Felsen entlang an dem Mann vorbei, schlüpft aus ihren Flipflop, rennt dann barfuß den Strand entlang und verschwindet zwischen den Granitblöcken. Das hätte ich auch tun sollen. Doch ist dafür es schon zu spät. Denn hinter mir steht plötzlich noch ein kräftig gebauter Kerl. Der hat schokoladenbraune Haut, kurzgeschnittenes schwarzes Haar und braune Augen. Immerhin ist er einen Kopf kleiner als der erste. Das hilft mir allerdings wenig. Denn mein Ohr befindet sich so in etwa auf Höhe seiner Schulter. Bei meiner Größe von 1.60 Meter ist das für mich zwar nichts Ungewöhnliches, iIn dieser Situation aber auch nicht gerade hilfreich.
„Was ist passiert?“, fragt der Neuankömmling und mustert mich sichtlich irritiert.
„Sie ist einfach dazwischengegangen.“ Der Blonde tritt auf mich zu und mustert mich wie ein kurioses Insekt. Ich gehe drei Schritte zurück und stoße mit dem Rücken gegen den Felsen hinter mir.
„Und warum hast du nicht einfach weitergemacht?“, fragt der Schwarzhaarige.
„Sie hat mich abgelenkt. Und außerdem war es sowieso vorbei.“
Der Schwarzhaarige mustert mich abschätzend und tritt ebenfalls auf mich zu. Nun ist mir jeder Fluchtweg abgeschnitten. Einem allein hätte ich vielleicht entkommen können. Aber Zweien?
„Lasst mich in Ruhe“, fauche ich.
Sie grinsen.
Da ich weiß, dass ich keine Chance habe, gehe ich sofort zum Angriff über. So, wie ich das in meinem Krav Maga Selbstverteidigungskurs gelernt habe. Ich trete dem Blonden ordentlich gegen das Schienbein. Dann versuche ich, ihn zur Seite zu stoßen und unter seinem Arm in die Freiheit zu tauchen. Es bleibt bei dem Versuch. Der Mann hat Reflexe wie ein Tiger. Er versetzt mir einen Stoß und knallt meinen Kopf gegen einen der Felsen. Alles wird schwarz.

Als ich zu mir komme, ist mir kotzübel. Mein Schädel scheint explodieren zu wollen. Weit über mir höre ich Stimmen.
„Das hätte trotzdem nicht sein müssen. Ist doch nur eine halbe Portion.“ Die Stimme des Schwarzhaarigen.
„Sie hat mich angegriffen!“, verteidigt sich der Blonde, der sehr nah neben mit steht.
Ich richte mich etwas auf, um mich anschließend schwungvoll auf seine Füße zu übergeben. Der Blonde macht einen Satz nach hinten, schimpft etwas in sich hinein und verschwindet Richtung Meer.
Der Schwarzhaarige beugt sich zu mir herunter. Ich gebe ihm keine Chance, um etwas zu sagen, sondern versuche, meine Faust in seinem Gesicht zu platzieren. Fast mühelos fängt er sie und hält sie fest. Ich versuche es mit einem Tritt in seinen Unterleib. Natürlich schlägt auch dieser Versuch fehl. So wie alle anderen, die folgen und darauf abzielen, den Kerl in die Flucht zu schlagen. Egal, was ich mache, ob ich trete, ob ich nach seinen Augen steche – nichts funktioniert. Schließlich sitzt er halb auf mir und hält mit einer seiner gewaltigen Hände meine Handgelenke umklammert. Ich kann mich nicht mehr bewegen und fange an zu schreien. Auf die Idee hätte ich mal früher kommen sollen.
Er hält mir den Mund zu. „Wenn ich dir etwas tun wollte, hätte ich es schon längst getan!“, fährt er mich an.
Das macht mich tatsächlich einen Moment sprachlos.
In dem Moment kommt der Blonde mit sauberen Füßen vom Meer zurück.
„Brauchst du Hilfe, Mohammed?“, grinst er.
„Geht schon“, knurrt der andere und blickt mir prüfend ins Gesicht.
„Das war wohl nichts mit unserem heutigen Versuch“, meint der Blonde. „Komm, lass uns hier verschwinden. Die Tussi hat bestimmt die Bullen gerufen. Kann nicht mehr lange dauern, bis die hier sind.“
Ein Hoffnungsschimmer durchfährt mich. Genau! Die Frau muss einfach die Polizei gerufen haben! Angestrengt lausche ich auf mögliche Rettung. Doch es ist nichts zu hören. Keine Sirenen, keine Stimmen, nichts. Nur das Rauschen des Meeres und das Gekreische der Seevögel.
„Ich lass dich jetzt los“, sagt Mohammed zu mir. Das tut er. Dann steht er auf und streckt mir seine Hand entgegen. Ich starre ihn nur an.
„Was machst du?“, fragt der Blonde, offensichtlich genauso überrascht wie ich. „Lass sie bloß da liegen. Wir sollten wirklich zusehen, dass wir hier wegkommen.“
„Spinnst du?“, gibt Mohammed zurück. „Sie ist verletzt. Weil du es übertrieben hast, übrigens. Und überhaupt, was, wenn jemand kommt, der ihr wirklich etwas antun will? Nein. Ich bringe sie zurück ins Dorf.“ Er packt mich an den Armen, zieht mich auf die Füße und lehnt mich an den Felsen.
„Das wird Ärger geben“, murmelte der Blonde, schüttelt den Kopf und schaut finster drein.
Mohammed mustert mich prüfend. Vermutlich, um einzuschätzen, ob ich nochmals in gnadenloser Selbstüberschätzung versuchen werde, mich auf ihn zu stürzen. Oder wegzurennen. Doch alles um mich herum dreht sich und ich weiß nur zu gut, dass ich keine drei Meter weit kommen würde.
Mohammed greift in meine Hosentasche und zieht die Chipkarte von meinem Hotel heraus. „Das Hotel Golden Beach?“, vergewissert er sich.
Ich starre ihn nur an.
Er steckt die Karte zurück, packt mich am Arm und zerrt mich hinter sich her – quer über den Strand und durch die Büsche. Ich taumle erst mit ihm mit. Dann sickert wieder langsam in mein Gehirn, in welcher Situation ich mich eigentlich befinde und beginne erneut, um mich zu schlagen und zu schreien.
Wo sind Leute, wenn man sie braucht? Ich sehe weder Polizei noch irgend jemanden, der mir helfen könnte. Oder zumindest Hilfe holen.
Der Schwarzhaarige hält meinen Arm weiter umklammert. „Ich tu dir nichts“, sagt er noch einmal leicht genervt und zerrt mich vorwärts. Dann sind wir bei einem klapprigen roten Auto angekommen. Er führt mich zur Beifahrerseite und öffnet die Tür für mich. „Ich fahre dich zu deinem Hotel“, erklärt er mir ganz ruhig.
Der Blonde lümmelt sich auf den Rücksitz. Ich habe keine Kraft mehr zum kämpfen. Bislang hatte ich keine Ahnung gehabt, dass mein Kopf so schmerzen kann. Also steige ich ein. Doch ich umklammere den Griff der Fahrertür, bereit, um mich aus dem Wagen zu werfen, wenn einer der Männer etwas versuchen sollte. Mohammed fährt sehr langsam. Nach wie vor ist niemand zu sehen. Ideal für Ruhesuchende. Und für Übergriffe jeglicher Art. Ich habe gelernt, dass ich gegen die beiden Männer nicht den Hauch einer Chance habe. Warum bin ich nicht weggelaufen und habe Hilfe geholt?, fragte ich mich immer und immer wieder. Warum habe ich gedacht, dass mein Selbstverteidigungskurs für solche Situationen ausreicht. Warum musste ich die Heldin spielen.
Zum Glück fährt mich Mohammed tatsächlich direkt vor das Hotel. Ich stürze mich aus dem Auto und ohne mich umzudrehen, taumle ich in die Lobby. Ein älteres Ehepaar kommt auf mich zu. „Geht es Ihnen gut?“ Sie führen mich zur Rezeption. Ein Arzt wird gerufen.
„Ich bin gefallen“, sage ich. Irgendwie schäme ich mich ein bisschen. Wie soll ich erklären, in was für eine Situation ich mich selbst gebracht habe? Ist es nicht auch etwas meine eigene Schuld? Vermutlich hat so auch die junge Frau vom Strand gedacht – mit der Konsequenz, dass mir niemand geholfen hat. Ich beschließe, ihr zu verzeihen. Schließlich ist ja alles gut gegangen.
Den Rest des Tages bleibe ich auf meinem Zimmer. Die Lust auf einsame Strandspaziergänge ist mir gründlich vergangen.

Am nächsten Tag gehe ich nach dem Frühstück zum Strand. Hier sind trotz der Nebensaison genug Leute um mich herum. Niemand wird es wagen, mich zu überfallen. Oder irgend jemanden sonst. Hoffe ich.
Da entdecke ich, ein Stück entfernt, plötzlich das blonde Mädchen von gestern. Einen Moment lang bleibe ich verblüfft stehen. Dann haste ich über den Sand auf sie zu. „He! Warte einen Moment!“
Sie dreht sich um, sieht mich und beginnt, auch zu laufen. Ziemlich schnell sogar. Ich versuche, sie einzuholen – ohne Erfolg. Schließlich bleibe ich keuchend stehen und lasse mich dann in den weißen Sand sinken. Ich bin ganz eindeutig nicht in Bestform.
„Hat ja eine ordentliche Beule gegeben!“
Ich zucke zusammen. Mohammed steht vor mir, seine Augen von einer dunklen Sonnenbrille verborgen. Ich bin viel zu entsetzt, um irgendwie zu reagieren. Da lässt er sich auch schon neben mir nieder und drückt mir eine Schachtel Pralinen in die Hand.
„Sorry wegen gestern“, sagt er ernst. Ich kann nicht glauben, dass er hier ist, am Strand, in aller Öffentlichkeit. Einen Moment bleibe ich wie erstarrt sitzen. Dann sehe ich mich nach Hilfe um. Mit meiner missglückten Verfolgungsjagd habe ich mich wieder ins Abseits manövriert. Immerhin sehe ich drei Männer, die etwa hundert Meter entfernt Ball spielen. Ich öffne den Mund, um zu schreien.
„Ich kann es erklären“, sagt Mohammed hastig.
Was will er da noch groß erklären? Doch er wirkt nicht so, als wollte er sich auf mich stürzen. Das hat er gestern ja eigentlich auch nicht getan. Deswegen beschließe ich, mit dem nach Hilfe rufen noch etwas zu warten.
„Wir wollten niemandem etwas Böses tun“, fügt er hinzu. „Es war mehr ein Spiel.“
„Ein Spiel?“, entgegne ich empört.
Er nimmt die Brille ab und sieht mir in die Augen, um dann schnell zu Boden zu blicken. „Was ist die beste Masche, um bei einer Frau zu landen?“, fragt er.
Darauf weiß ich so spontan keine Antwort. Aber irgendwie muss ich wohl reagieren. „Hm“, mache ich also. Es klingt nicht souverän. Eher wie ein Quieken … Ich bleibe besser stumm.
„Sie retten“, erklärt er.
Ich sehe ihn völlig verblüfft an.
„Wir waren selbst in einer ähnlichen Situation“, erklärt er weiter. „Es war Zufall. Eine Frau wurde von einem Typen bedrängt. Ich bin dazwischengegangen und habe ihr geholfen. Sie hat sich … sehr dankbar gezeigt. Da haben wir uns gedacht, unser Glück bei den Frauen in Zukunft nicht dem Zufall zu überlassen, sondern solche Situationen selbst herbeizuführen. Abwechselnd. Gestern hat Jack die Rolle des Bösen übernommen. Bisher hat es immer funktioniert.“ Er zuckt die Achseln.
Ich will dem Mistkerl ins Gesicht schlagen, erinnere mich aber daran, dass das gestern nicht von Erfolg gekrönt gewesen war. „Wie oft habt ihr das denn schon gemacht?“, frage ich und bemühe mich um einen möglichst ruhigen, aber dennoch empört wirkenden Tonfall.
„So etwa fünf Mal“, gibt er zu.
Ich pfeffere die Pralinenschachtel auf den Boden. Die soll sich der Typ sonst wo hinstecken. „Und warum erzählst du mir das alles?“, frage ich aggressiv. „Was erwartest du von mir? Die Absolution?“
Er zuckt wieder die Achseln. „Ich dachte, du solltest es wissen“, sagt er nur. „Als ich Jack gesagt habe, dass ich noch einmal mit dir sprechen will, hat er mich auch für verrückt erklärt. Ist vielleicht wirklich keine gute Idee. Aber … du bist eben… anders als die, die bislang … Die wir bislang …“ Er verstummt.
Danke, denke ich. Anders. Ja, bin ich. Zwar nicht unbedingt Quasimodo, aber auch nicht Deutschlands nächstes Topfmodel mit blondgefärbten Haaren, makelloser Babyhaut, Zehn-Zentimer-Absätzen und männertraumverkörpernder Bikinifigur. Gesegnet mit Beinen bis zum Hintern, aber eben nicht bis zum Himmel. Und ich war ja auch nicht das primäre Ziel der Begierde gewesen …
„Ich meine … Du hast diesem Mädchen geholfen, ohne Rücksicht auf dich selbst“, fügt er schnell hinzu.
„Ja, schön dumm“, murmle ich.
„Aber auch ziemlich tapfer. Und Jack hat einen ordentlichen blauen Fleck am Schienbein. Du hast irgendeinen Kurs gemacht, oder?“
„Ich mache seit einem Jahren Krav Maga.“ Ich fühle, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. Wie ich ja feststellen durfte, sind entweder zwei Jahre deutlich zu wenig oder ich bin verdammt schlecht.
Er scheint meine Gedanken lesen zu können. „Du hast dir einfach die falschen Gegner ausgesucht. Wobei es unverzeihlich ist, dass Jack dich niedergeschlagen hat. Reflexe hin oder her.“
Wir schweigen einen Moment.
„Wir werden natürlich damit aufhören“, sagt er dann.
Wer’s glaubt, denke ich.
„Es ist wohl doch nicht so – einfach, wie wir dachten.“ Er lächelt reumütig.
„Nein“, sage ich fest.
„Was hast du heute für Pläne?“, fragt er.

Vier Wochen ist das jetzt her. Und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Meer, Strandspaziergänge und Abendessen denke. Mit Mohammed, natürlich. Wir sind sogar im Bett gelandet. Am letzten Abend. Nach einer Flasche Rotwein. Es hat sich einfach so ergeben. Ich bin nicht gerade stolz darauf.
Am Flughafen habe ich ihm meine Handynummer aufgeschrieben. Natürlich hat er nicht angerufen. Warum sollte er auch. Wenn seine bevorzugte Beute Modelmaße hat. Eigentlich weiß ich fast nichts über ihn. Irgendwie haben wir viel mehr über mich gesprochen als über ihn. Ein weiterer Grund, warum er nicht anrufen wird. Ich muss ihn endlich vergessen. Schon allein wegen diesem doofen Spiel. Dass ich überhaupt etwas mit ihm angefangen habe … Kaum zu glauben. Vielleicht ist das die eigentliche Masche – die Retterin der Geretteten zu verführen?
Verdammt. Ich muss wirklich aufhören, an ihn zu denken. Und ich werde jetzt sofort damit anfangen. Jetzt, auf dem Heimweg, hundert Meter von meiner Haustür entfernt. Auf meinem Smartphone läuft gerade der Song „Time to Kill“ von No Savior. Der passt perfekt zu meiner miesen Laune. Ich stelle so laut, wie es nur geht:

I see you
I hate you
You see my knife? I’ll take your life!
just for the thrill
it’s time to kill

Wenig später steige ich die Treppe zu meiner Wohnung hinauf.
Eine Bewegung hinter mir. Ich fahre herum und sehe einen großen Mann vor mir mit dunkler Haut und schwarzen Haare. Instinktiv und ohne Vorwarnung ramme ich ihm mein Knie in den Unterleib und knalle ihm meine Faust ins Gesicht.
Der Fremde geht taumelnd in die Knie. Den kenne ich doch … Erschrocken reiße ich mir die Ohrstöpsel heraus. Mohammed blickt zu mir herauf und stößt hervor: „Das klappt doch ganz gut mit deinem Krav Maga.“

Nachdem ich ihn wohl zehn Minuten völlig entgeistert angestarrt habe, bitte ich ihn herein.
„Ich habe dich angesprochen, aber du hast mich wohl nicht gehört“, krächzt er, während er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf mein Sofa hieft.
„Ja. Wegen Time to Kill“, murmele ich betreten.
„Time to Kill? Es war Zeit zu töten?“ Mohammed wirkt richtig erschrocken.
„Dem Song“, beeile ich mich zu sagen.
Da sitzt er jetzt also auf meinem Sofa.
„Ich war sicher, dass ich dich nie wiedersehe“, sagt er. „Und ich wollte dich vergessen. Ich habe sogar deine Handynummer nicht gespeichert. Wir kennen uns doch kaum. Aber ich musste immer an dich denken. Vor drei Tagen habe ich beschlossen, dass es so nicht weitergeht. Und jetzt bin ich da.“
Ja, jetzt ist er da.
Ich habe keine Ahnung, was die nächsten Tage und Wochen bringen werden. Wie lange er bleiben wird.
Ich höre sie schon sagen:
Das kann doch nichts werden mit euch.
Was soll der hier arbeiten?
Und er heißt auch noch Mohammed!
Wenn sie wüssten, wie wir uns kennengelernt haben …
Ich weiß auch nicht, was werden wird.
Nun, wir werden sehen.

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