Triggerwarnungen in Büchern – übertrieben oder notwendig?

Immer mehr Autor*innen und Verlage veröffentlichen Triggerwarnungen und Content Warnungen für ihre Bücher. Dabei handelt es sich um Hinweise, dass sich Passagen in den Büchern befinden, die bei Leser*innen ein Trauma auslösen könnten – bis hin zu Suizid.

Welche Triggerwarnungen werden üblicherweise verwendet?

Triggerwarnungen werden überwiegend dann verwendet, wenn folgende Themen in Büchern vorkommen:

  • Suizid
  • Vergewaltigung / (Kindes-)Missbrauch
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Drastische Gewaltdarstellungen

Warum sind Triggerwarnungen sinnvoll?

Es ist durch psychologische Studien bewiesen: Es gibt eine deutlich erhöhte Suizidrate bei Menschen, die unter Depressionen leiden und / oder suizidgefährdet sind und über Suizidgedanken oder Suizide lesen oder etwas darüber im Fernsehen / Internet etc. sehen. Deswegen finden sich mittlerweile entsprechende Warnhinweise in den Medien, wenn über Selbstmord berichtet wird (Denken Sie daran, sich das Leben zu nehmen? Hier finden Sie Hilfe: https://www.telefonseelsorge.de )

Deswegen wurde auch die Serie Tote Mädchen lügen nicht mittlerweile entschärft, sodass die Suizidszenen nicht mehr im Detail gezeigt werden. Dazu wurden einzelne Episoden mit Triggerwarnungen versehen, um einen Nachahmungseffekt zu vermeiden. Diese gab es übrigens schon im 18. – Jahrhundert – als Reaktion auf Goethes Die Leiden des jungen Werther! Forscher gehen von etwa einem Dutzend Suizide aus, die mit dem Briefroman in Zusammenhang stehen.

Wenn von Anfang an klar ist, dass ein Roman das Thema Suizidalität hat, ist eine Triggerwarnung nicht unbedingt notwendig. Wenn ein Selbstmord aber plötzlich in einem Roman auftaucht, was dieser nicht unbedingt erwarten lässt (z.B. ein Liebesroman oder auch ein Thriller), so macht eine Triggerwarnung durchaus Sinn!

Triggerwarnung bei SVV

Dasselbe gilt für Selbstverletzendes Verhalten (SVV). Wer darüber liest, bei dem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich derjenige selbst verletzen wird.

Triggerwarnung bei der Schilderung einer Vergewaltigung / von sexuellem Missbrauch

Bei Menschen, die ein derartiges Trauma erlebt haben, kann allein die Erwähnung, insbesondere aber auch die explizite Schilderung von Vergewaltigungen oder Missbrauch das Trauma erneut zum Vorschein bringen. Auch hier kommt es wieder auf den Kontext und das Genre an. Denken die Leser*innen, es handelt sich um einen leichten Liebesroman, kann die Schilderung von Missbrauch o.ä. einen Schock bedeuten.

In einem historischen Roman ist die Wahrscheinlichkeit, einer Vergewaltigung zu begegnen, relativ hoch. Es gibt aber auch genug leichte Romane, die auf derartige Schilderungen verzichten. Hier hilft es also den Leser*innen, wenn sie schon vorher wissen, ob sexueller Missbrauch ein Thema ist, und wenn ja, in welcher Form.

Das gilt auch für Thriller.

Triggerwarnungen – wo bringe ich sie unter?

Leser*innen sollen möglichst noch vor dem Kauf des Buches wissen, ob sich potenzielle Trigger darin befinden. Viele Autoren und Verlage haben jedoch Angst vor Spoilern und möchten deswegen vorab keine Hinweise geben. Eine elegante Lösung besteht darin, im Klappentext oder auch vor dem Roman einen Hinweis zu geben, dass das Buch Handlungen enthält, die triggern könnten und auf die Stelle zu verweisen, an der die Trigger näher erläutert werden. Die eigentlichen Warnungen könnten dann entweder hinten im Buch zu finden sein oder auch auf der Webseite der Autor*innen oder des Verlages.

Content-Warnungen – Erbrechen, Alkohol o.ä.

Auch andere Themen können Leser triggern – Bulimiker*innen beispielsweise bei Schilderungen von Erbrechen, trockene Alkoholiker*innen ggf. bei der Erwähnung von Alkohol. Hierbei lassen sich Content-Warnungen einsetzen. Diese können ähnlich untergebracht werden wie die Triggerwarnungen, z.B. im hinteren Teil des Buches oder auch auf der Webseite der Autor*innen oder des Verlages. Zu Contentwarnungen können auch die drastische Schilderung von Gewalt oder auch explizit beschriebene Sexszenen gezählt werden.

Auch hier gilt: beschäftigt sich das Buch beispielsweise mit Alkoholmissbrauch o.ä., macht eine explizite Contentwarnung keinen Sinn, da sich das Thema dann spätestens aus dem Klappentext ergeben sollte. Anders sieht es aus, wenn diese Themen unerwartet vorkommen, zum Beispiel in einem Liebesroman oder einem eher humorvoll gedachten Buch.

Wann können Content Warnungen Sinn machen?

In diesen Fällen können Contentwarnungen Sinn machen:

  • Depression
  • Trauma
  • psychische Gewalt gegen Kinder
  • Missbräuchliche / toxische Beziehungen
  • Missbräuchliche / toxische Familiensituationen
  • Erbrechen
  • Alkohol(missbrauch)
  • Drogen(missbrauch)

Kontroverse um Content- und Triggerwarnungen

Triggerwarnungen sind Schwachsinn. Das hört man immer wieder. Als Gründe werden angeführt:

  1. die Warnungen können spoilern (ist oben bereits widerlegt – kommt eben darauf an, wo man es einbaut)
  2. Wenn, dann ist es sowieso zu spät. Argument: denn wenn ich schreibe: enthält die Beschreibung eines Suizids, dann sind die Betroffenen ja schon getriggert.

Punkt 2 ist natürlich völliger Schwachsinn. Lieber warne ich doch meine Leser*innen im Vorfeld, und nehme in Kauf, dass sie tatsächlich leicht getriggert werden, als dass ich sie mit einer unerwarteten Suizid- oder Missbrauchszene überrumpele!

Fazit

Triggerwarnungen bedeuten weder Spoiler noch Zensur. Die meisten Leser*innen benötigen hoffentlich weder Content- noch Triggerwarnungen und werden diese im Regelfall einfach überlesen. Wer jedoch ein Trauma erlebt hat, wird es den Autor*innen oder dem Verlag danken, im Vorfeld eine Warnung zu erhalten.

Buecher-fuer-alle.de wird in Zukunft ebenfalls verstärkt Triggerwarnungen und ggf. Contentwarnungen einsetzen.