Wikingerromatik – wie war es wirklich?

Die Wikinger und die Liebe

In historischer Zeit war es um die Liebe zumeist nicht gut bestellt. Eine Heirat aus Liebe war wohl eher die Ausnahme – Ehen wurden vor allem zwischen Familien geschlossen, um Reichtum und Wohlstand zu bewahren und zu nähren bzw. sich sozial abzusichern. Der Mann verdiente das Geld, die Frau kümmerte sich um den Haushalt – so war es auch bei den Wikingern. Die Frauen hatten jedoch, zumindest in der heidnischen Zeit, die Möglichkeit, eine gute Behandlung ihres Ehemannes einzufordern und konnten sich notfalls auch scheiden lassen.

Wikinger hatten dazu die Möglichkeit, sich Konkubinen zu halten. Diese stammten meist aus niedrigeren Ständen oder waren Leibeigene und hatten kaum eine Chance, zu richtigen, rechtlich anerkannten Ehefrauen zu werden.

Da der Kulturkreis der Völker, die als Wikinger gelten, so groß war, wurde die rechtliche Stellung der Frau sicherlich nicht überall die gleiche. So gibt es Berichte, dass Wikingerfrauen ihre Männer bei Ehebruch nackt durch das Dorf treiben durften (da suche ich noch nach der historischen Quelle).

Frauen konnten wohl nicht „Nein“ sagen

Man darf wohl grundsätzlich davon ausgehen, dass Männer nicht groß fragten, wenn sie Sex mit ihren Sklavinnen oder Mägden wollten und vermutlich hatten auch Ehefrauen kein Recht, sich zu verweigern beziehungsweise mussten in diesem Fall Prügel fürchten. Zwar gibt es einen Bericht, dass sich eine Frau, die das Christentum angenommen hatte, sich ihrem Mann verweigerte, bis dieser ihr eine Kirche baute. Das würde ich jedoch nicht als Standard deuten.

Sexuelle Ausschweifungen bei Ibn Fadlan

Im Reisebericht des Ibn Fadlan wiederum klingt das wieder ganz anders – hier hatten die von ihm so genannten „Russen“ viele Sklavinnen und Gespielinnen. Von rechtmäßigen Ehefrauen wurde hingegen nichts von ihm berichtet. Es lässt sich kaum feststellen, ob die Sitten und Rituale, die Ibn Fadlan schildert, tatsächlich der Realität entsprachen, ob er sich nicht aus Sensationsgier für sein Publikum das ein oder andere einfach ausgedacht hat und ob sich diese auf ähnliche Weise bei allen Völkern fanden, die mit dem Begriff „Wikinger“ bezeichnet werden. Auffällig ist beispielsweise Folgendes: Gemäß der nordischen Sagen gelangen die Menschen nach dem Tod in das Totenreich Hel, nur Krieger werden von Walküren in den Himmel geleitet. Dies widerspricht jedoch dem, dass die Sklavin während dem Begräbnisritual ihre gesamten Anverwandten im Paradies sitzen sieht.

Der 13. Krieger von Michael Crichton (gibt es auch als Film) nimmt Bezug auf den Reisebericht, die pikanten Details von wegen Gruppen- und Ritualsex lässt er allerdings komplett weg.

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